Yamaha THR10

Wo Roland vor einigen Jahren mit dem Micro Cube einen Meilenstein gesetzt hat, da packt Yamaha heute nochmal einen drauf. Yamaha’s Alleskönner im Kleinformat eignet sich sowohl für E- und A-Gitarren wie auch für E-Bässe. Der mit dem Red Dot Award für Design ausgezeichnete Amp präsentiert sich im schicken Metallgehäuse mit Toggle Powerswitch und Vintage Potis. THR steht übrigens für „third“ (engl. in diesem Fall dritter). Die Idee dahinter war, dass man als Gitarrist für gewöhnlich sowohl ein Stack (Topteil und Box für Proberaum und größere Gigs) und einen Combo (Kleinerer Verstärker fürs Üben daheim oder den Proberaum) besitzt. Als dritter Amp – für alles Andere – kommt dann der Yamaha THR10 ins Spiel. Neben 5 Verstärkersimulationen verfügt der Amp über Effekte (Chorus, Flanger, Phaser, Tremolo, Delay, Delay/Reverb, Spring Reverb, Hall, Reverb), 3 Potis zum regeln von Bass, Mitten und Höhen und zwei 8cm Speaker. Die 10 im Namen lässt schon vermuten, dass der Amp 10 bzw. 2×5 Watt leistet. Zusätzlich verfügt er über eine USB-Schnittstelle, 5 Speicherplätzen für eigene Sounds und einen eingebauten Tuner. Über einen Aux Input lassen sich Ipod oder Mp3 Player anschließen und Soundfiles über den Verstärker abspielen.

Zu den Kanälen

1. Clean:
Ähnlich den Roland Cube Modellen kommt der Clean Sound auf dem Yamaha THR 10 sehr klar und Glasig. Je nach Gitarre und Pickup erreicht man von glasig klarem Sound, der fast schon an eine Akustik Gitarre erinnert, über knackigen Twang bis hin zu vollem und weichem Jazz Sound alles was man in einem Clean Kanal benötigt. Mit zunehmender Outputstärke des Pickups fängt der Clean Sound an leicht zu Crunchen und auch bei Tonabnehmer mit schwächerem Output lassen sich durch etwas mehr Gain im Clean Kanal fette Texas Blues Sounds a la Stevie Ray Vaughan produzieren. Ein guter Clean Kanal mit vielseitigen Facetten ist für mich persönlich immernoch eine Refferenz für einen Übungsamp dieses Formats und der Yamaha THR10 meistert diese Disziplin mit Bravur.

2. Crunch:
Amtlich und dynamisch cruncht der THR10 so wie es crunchen soll nach dem Vorbild eines VOX AC 30. Bei etwas weniger Gain bekommt man einen beinahe schon wieder Cleanen Classic Rock Sound mit dem gewissen „Edge“. Mir gefällt sehr gut, dass der Verstärker den Charakter und Dynamik einer Gitarre klar durchhören lässt und keine flachen Pappdeckel Sounds produziert. Es macht einen deutlichen Unterschied, ob eine Strat oder eine Tele am Kabel hängt und dies hört man auch im Crunch Kanal. Löblich!

3. Lead:
Unter dem Namen „Lead“ vermutet man zunächst einen heißen Fullstack Sound. In der Praxis entpuppt sich der 3. Kanal des THR10 jedoch als „fetterer“ Bruder des Crunch Kanal. Mehr Zerre und ein deutlich vollerer Sound, der sowohl auf Single Coils als auch auf Humbuckern, rockige Riffs und Leads aus dem Lehrbuch ermöglicht. Dabei regaiert auch dieser Kanal sehr authentisch auf höheren bzw. niedrigere Gain / Master Einstellungen und ermöglicht somit wiederum eine Vielzahl von Soundmöglichkeiten.

4. Hi Brit:
Auch hier zeigt sich der Yamaha THR10 eine seiner starken Seiten. Der Hi Brit Kanal geht deutlich hörbar in Richtung Marshall und erzeugt eine „angenehme“ full stack Zerre, die nicht nach einem Mückenschwarm sondern wirklich nach aufgerissenem Röhren Topteil klingt. Freunde von Guns n Roses oder Metallica werden in diesem Kanal definitiv fündig, was den gepflegten Ton für’s Üben daheim angeht.

5. Modern:
Geneigte Saitenakrobatiker und Vertreter der Schwermetalfraktion werden mit diesem Kanal bestens bedient. Satte Leads mit viel Sustain und klarer unaufdringlicher Zerre, welche bei manchen Konkurrenzprodukten schon öfters mal nach Rasierklingen im Ohr klingen kann. Abgesehen von meiner Telecaster hat keine meiner anderen Testgitarren (Aufzählung im Fazit) mit Brummen oder ähnlichem zu kämpfen und -wie auch in den vorherigen Kanälen- bleiben die Charaktereigenschaften der Instumente deutlich hörbar.

Die Effekte werden (wie auch beim Cube) über einen Poti dazugeregelt. Ein bewährter Mechanismus, intuitiv und auch ohne Anleitung verständlich. über 2 weitere Potis lassen Sich Gitarre und USB/Aux Signale im Kontext regeln, was bspw. Üben zum Backingtrack angenehm erleichtert. Ein zusätzlicher Kopfhörer Ausgang schont die Nerven von Nachbarn und Familie.

Fazit: Es ist eher selten, dass ich einen Verstärker mit gleich 4 Gitarren auf Herz und Nieren prüfe (Hurricane Telecaster, Shecter Frankenstein Strat, Ibanez RG-1200, Ernie Ball John Petrucci). Im Falle des Yamaha THR10 war ich jedoch nach Anschluss der Tele und Strat so begeistert von den Sounds, dass ich auch die beiden heißeren Äxte unbedingt ausprobieren wollte. Mit einer Vielzahl an Anschlussmöglichkeiten, guten eingebauten Effekten und nicht zuletzt – für einen Übungsverstärker – erstklassigen Sounds ist der Yamaha THR10 für mich die neue Refferenz in sachen Amps im Kleinformat. Ein Verstärker, den ich meinen Schülern quasi blind empfehlen kann… sowas hatte ich zuletzt nur beim Roland Microcube. Preislich klar teurer als die Konkurrenz aber jeden Cent wert, da man mit diesem Verstärker viele Sounds abdeckt und lange Freude daran haben wird! Absolute Kaufempfehlung!

Hier der THR10 in Action!

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