Gibson Super 400 CES VSB Test

Die Welt der Elektrischen Gitarren ist umfangreich und für fast alle Bauarten (Strat, Les Paul, Tele usw.) gibt es Modelle für 2- bis 6- oder 7-stellige Beträge. „Ist das gerechtfertigt?“ wird hier oft gefragt. Nun, zunächst einmal handelt es sich bei den extrem teuren Gitarren meist um Sammlerstücke oder Originale, mit denen Weltstars Musikgeschichte geschrieben haben. Diese haben also eher einen ideellen Wert (Man spricht oft auch von Voodoo, der mit der Gitarre verkauft wird). Wie sieht es aber mit den Instrumenten im Preisbereich um die 10.000€ aus? Können diese Gitarren allein durch die Qualität Ihrer Komponenten einen solchen Preis rechtfertigen?

Metallgürtel aus der Hose und Ringe runter von den Fingern (wir wollen hier schließlich keine Kratzer reinmachen). Ich habe hunderte Gitarren getestet, eingestellt oder angespielt, aber es ist schon ein besonderes Ereignis, ein solches Instrument auf dem Knie sitzen zu haben. Die Decke aus ausgewähltem High Grade Fichtenholz schimmert samtig im Desert Sunburst. Letzteres kommt auf dem Boden mit seinem wunderschön geflammten High Grade Ahorn ebenfalls besonders gut zur Geltung. Gerahmt wird all dies von perfekt gearbeiteten schwarz/weiß Triple Binding. Auch Hals und Schlagbrett wurden mit ähnlich aufwändigen Bindings versehen. Egal wo man bei diesem Instrument hinschaut, alles strahlt eine geradezu royale Qualität aus. Seien es die dezent schillernden Perlmutt Blockinlays auf dem Ebenholzgriffbrett, die Gestaltung des Trussrod Cover, oder die Goldenen Stimmmechaniken. Als käme das Instrument aus einer anderen Ära, versetzen all diese Details den Spieler in eine gewisse Nostalgie.

Der 18″ Ahorn Korpus bietet ordentlich Hubraum für den Sound den diese Gitarre produziert. Auch ohne Verstärker klingt das Instrument ausgewogen und voll. Mit meinen Jazz Fertigkeiten ist es leider nicht mehr allzu weit her, aber am Verstärker eines Kollegen (65er Fender Deluxe Reverb) frage ich mich ob es überhaupt möglich ist auf diesem Instrument „schlecht“ zu klingen ;). Die vordere 57er Humbucker macht erwartungsgemäß einen fetten, leicht „kehligen“ Ton und produzieren einen Sound mit einer Tiefe, als könne man jede Nuance des Instruments hören. Es fällt mir merklich schwer, vom Halspickup auf den Bridge Pickup zu wechseln, der die Sounds deutlich knackiger zu artikulieren vermag. Nach kurzer Zeit befinde ich mich schließlich wieder auf dem Halspickup und höre einfach nur in die Akkorde „hinein“. Ein Sounderlebnis im wahrsten Sinne des Wortes.

Entsteht der Preis also nur, weil die Komponenten von erstklassiger Qualität sind? Leute wie Wes Montgomery, Tuck Andress, Lee Ritenour, Larry Carlton, Freddie Green, Pat Martino und Django Reinhardt wussten und wissen mit Sicherheit sowohl die Qualität des Sounds wie auch die meisterliche Handarbeit an solchen Instrumenten zu schätzen.

Es gibt sicher auch Archtop Gitarren für „nur“ 300 oder „nur“ 5000€. Ich will an dieser stelle nicht plakativ werden, komme aber wohl nicht drum herum… Wer einen Ferrari fahren will, muss dementsprechend tief in die Tasche greifen. Die Super 400 CES ist ein Ferrari unter den Archtop Gitarren.

Die Frage, ob eine Gitarre 10599€ wert sein kann beantwortet Gibson mit der Super 400 CES in Vintage Sunburst souverän mit ja. Nicht allein durch die Tatsache, dass man sich ein Stück Jazz / Archtop Geschichte ins Haus holt, sondern auch in eine Gitarre investiert hat, die im guten Zustand stetig im Wert steigt (Sammlerstücke der Super 400 gehen auch mal für 30.000 über den Tisch)! Wenn dann noch der Deluxe Koffer inklusive ist…

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